Showdown Tischtennis nach Gehör

Aufstieg in die 1. Bundesliga

Neben Freundschaftsturnieren, Qualifikationsrunden und Meisterschaften gibt es seit 2016 in der Sportart Showdown auch einen Bundesliga-Betrieb.

Die 1. Liga besteht aus sieben Teams. 2017 wurde nun auch erstmals eine 2. Liga organisiert bestehend aus vier Teams. Die Bundesliga-Neueinsteiger, Spielgemeinschaft Bremen / Hannover trafen sich am 8. Und 9. Juli 2017 in Paderborn mit den Showdown-Spielern aus Moers / Paderborn, Nürnberg 1 und Nürnberg 2.

Hier sollte sich entscheiden, welche beiden Teams in die 1. Liga aufsteigen würden. Hinter der Spielgemeinschaft Moers / Paderborn schaffte dies die Mannschaft Bremen / Hannover.

Showdown ist eine Art Tischtennis für blinde, sehbehinderte und sehende Spieler. Die lichtundurchlässige Brille, die zur Ausrüstung gehört, sorgt für Chancengleichheit. Ein Match in der Bundesliga besteht aus vier Einzel-Spielen und einem Team-Spiel – Triple genannt. Beim Triple gestalten drei Spieler eine Begegnung. Während jeder Spieler beim Einzel zwei aufeinanderfolgende Angaben hat und ein Satz beendet ist, sobald ein Spieler 11 Punkte mit einer Differenz von zwei Punkten erreicht, hat jeder Spieler beim Triple drei Angaben. Sobald er dann noch die drei Angaben des Gegners abgewehrt hat, verlässt er die Platte, und der nächste Spieler des Teams ist an der Reihe. Ein Triple geht bis 31 Punkte.

Für das Team Bremen / Hannover traten Heiko Kuhlmann aus Hannover, Martina Reicksmann, Heiner Schad und Mohamed Shati aus Bremen an.

Das erste Match gegen Moers / Paderborn verlor die Spielgemeinschaft aus dem Norden knapp mit 2 zu 3.

Die folgenden Matches gegen Nürnberg 1 und Nürnberg 2 konnten sie hingegen beide mit 4 zu 1 für sich entscheiden.

Im Gegensatz zu den anderen Wettbewerben treten die Spieler in der Bundesliga als Team auf.

Außerdem gibt es die Vorgabe, dass in jedem Team mindestens eine Frau bzw. ein Mann mitspielen muss. Das bringt eine ganz besondere Atmosphäre mit sich. Die Spielpausen und der gemeinsame Restaurantbesuch am Abend boten reichlich Gelegenheit, sich auch persönlich kennenzulernen.

Martina Reicksmann Showdown – Tischtennis nach Gehör

 

Auf dem Foto sind Heiner Schad, Mohamed Shati und Martina Reicksmann beim Triple zu sehen.

Auf dem Foto sind Heiner Schad, Mohamed Shati und Martina Reicksmann beim Triple zu sehen.

 

 


Der Ursprung des Showdown:

Ursprünglich kommt „Showdown“ oder „Tischball“ aus Kanada. In Deutschland ist die Sportart erst in den letzten paar Jahren populär geworden. Inzwischen gibt es Mannschaften in rund 20 Städten, auch in Bremen. Beim Showdown spielt man einen mit Stahlkugeln gefüllten, rasselnden Ball mit einem Handschuh und einer Art Paddel über eine Tischplatte mit Banden an den Seiten. Um zu punkten, muss der Ball in Löcher fallen, die die Tore darstellen. Die Spieler können nichts sehen; entweder weil sie blind sind oder weil sie abgeklebte Skibrillen tragen. Die Sportart eignet sich auch für Menschen, die erst seit Kurzem schlecht oder gar nicht mehr sehen, weil man sich an der Tischkante gut orientieren kann. Die Konzentrationsleistung, um den rasselnden Ball auch zu treffen, ist allerdings hoch.

Heiner Schad: „Andere Mannschaften müssen in Nebenräumen von irgendwelchen Kneipen immer Tisch abbauen, Tisch aufbauen, und die Möglichkeiten sind manchmal sehr beschränkt. Mit Hallen ist es schwierig und teuer, und die Möglichkeiten sind hier auch gegeben, und das ist eigentlich immer recht nett hier, und ich hab nicht einen ganz so weiten Weg zum Training.“

Heiner Schad im Partykeller seines Hauses. Eigentlich hat er ihn für kleine Feiern eingerichtet, aber seit ein paar Jahren ist der Raum am Mittwochabend für etwas ganz anderes reserviert. Dann trainiert hier die Showdown-Gruppe der SfB, der Sportgemeinschaft für Behinderte Bremen e.V. (Rasselnder Ball rollt über Platte, Schläger treffen auf Ball.) Während Schad neben der Showdown-Platte steht, trainieren zwei seiner Teamkollegen bereits. Schads sechzehnjährige Tochter Manou ist die Schiedsrichterin.

Manou Schad: „Ja, also man spielt ja auf einem rechteckigen Tisch mit einer Bande, und für jedes Tor, das am Ende dieses Rechtecks sich befindet, da gibt es zwei Punkte. Und es gibt ganz viele einzelne Fehlerpunkte. Als ich das erste Mal diese Liste gesehen habe, habe ich echt so gedacht: nimmt das ein Ende? Es gibt halt sehr viele. Es gibt halt ein Mittelbrett in der Mitte, wo man drunter durchspielt, und wenn man dagegen schießt, dann ist das ein Fehler. Oder wenn man ihn halt aus dem Tisch rausspielt, dann ist das ein Fehler. Ja, da gibt’s noch ganz viele andere, aber das ist halt schwierig zu erklären, wenn man das nicht sehen kann“. Aber genau darum geht es beim Showdown. Die Spieler sehen nicht. Alle tragen abgeklebte Schibrillen – das ist Vorschrift. Auch für diejenigen, die ohnehin blind oder stark sehbehindert sind - so wie Manous Vater Heiner Schad oder seine Teamkollegin Martina Reicksmann. Aber ganz ehrlich: wenn ich (Franziska Rattei) Showdown spiele, nützen mir auch offene Augen nicht viel. Der Ball rollt so schnell über die Platte, dass ich ihn auch sehend kaum erwische. Martina Reicksmann spielt quasi alleine.

Martina Reicksmann beim Spielen: „Sie gucken doch, oder? Dann machen Sie doch mal die Augen auf!“ (Ball rollt – hörbar langsamer – über die Platte als vorher.)

Heiner Schad: „Ich denke, jetzt ist der Zeitpunkt für die Brille gekommen…

Martina Reicksmann: Aber Sie kommen langsam rein, Oder täuscht das?“

Ich: „Ich glaube, das täuscht. (Alle lachen.) Ich find, der ist so schnell. Also, der ist hier, aber dann ist er schon wieder weg." Thomas Lehrmann kann sehen – wie ich. Vielleicht ein Vorteil, wenn es darum geht, den Ball in einem ganz bestimmten Winkel anzuspielen oder sich das Spielfeld vorzustellen. Aber während der Partie tragen ja ohnehin alle dunkle Brillen. Nur Hören zählt. Genau das reizt den Bremer am Showdown.

Thomas Lehrmann: „Mein Ansporn ist eigentlich, dass ich ab und zu mal einen von den Hauptakteuren bezwingen kann. Gelegentlich klappt das, aber meistens bin ich doch im Hintertreffen.“ Das liegt am fehlenden Talent und Training, meint er. Dass Sehen können ein Nachteil ist – von wegen: Blinde können sich besser auf ihr Gehör konzentrieren – glaubt er nicht. (Leiser Anpfiff, danach Spiel zwischen Martina Reicksmann und mir.) Und los geht’s in die zweite Runde, diesmal unter „echten Bedingungen“. Ich sehe schwarz. Meine rechte Hand steckt in einem gepolsterten Motorradhandschuh. Darin halte ich auch meinen Schläger – ein länglicher Spatel aus Holz, 30 Zentimeter lang und siebeneinhalb breit. Die linke Hand darf die Platte nur bei der Angabe berühren. Mit meinem rechten Arm rudere ich wahllos über meine Hälfte der Platte, um ab und zu mal den Ball zu treffen – mehr trial and error als Taktik.

Martina Reicksmann: „… ich merk schon. Sie haben Ehrgeiz.“

Ich: „Also, nochmal.“ ( Leiser Anpfiff )¬ Ich: „Und los“.

Heiner Schad: „Tor“.

Ich: „Jaaaaaaaaaa! Mein Tor, mein erstes Tor!“

Meine Gegnerin, Martina Reicksmann, gönnt mir das Anfängerglück und würde mich am liebsten gleich zum Weiterspielen gewinnen. Denn die Bremer Mannschaft sucht Spieler – gern auch sehende, weil die verloren gegangene Bälle schneller wiederfinden und besser erklären können, wie man Bälle anspielt. Allein mit räumlichem Vorstellungsvermögen ist das schon schwer zu erfassen. Und mit dem Trainieren ist das auch so eine Sache – eigentlich brauchen die Bremer noch einen richtigen Trainer, sagt Antonius, Martinas Mann; ebenfalls blind.

Antonius Reicksmann: „Wir hätten gern jemanden an unserer Seite, der aus dem Bereich – vielleicht Tischtennis oder Badminton oder irgendwas ähnliches, was man mit dem Handgelenk macht – der uns beobachtet und noch ein paar Tricks zeigen kann, was man mit so einem kleinen Ball alles anrichten kann. Das wär auch ganz schön“. Sagts und macht schon den nächsten Aufschlag.

Denn am 22. November findet in Bremen die Qualifikationsrunde Nord statt, bei der sich Antonius für die Deutsche Meisterschaft 2015 qualifizieren will. Beim letzten Mal hat Antonius übrigens den achten Platz belegt. Das könnte in Zukunft schwierig werden. Denn langsam wird die Sportart bekannt, und je größer die Konkurrenz, desto härter der Wettkampf.

Franziska Rattei, DRadioWissen am 13. Oktober 2014