Diskussion Namensänderung "Blickpunkt Auge"

am Samstag, 24. Februar 2018

Taugt „Blickpunkt Auge“ als Name für unseren Verein?

Bei der Mitgliederversammlung hatte ich darüber berichtet, dass es Überlegungen gibt, den Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) in Blickpunkt Auge Deutschland – Der DBSV umzubenennen. Folglich sollten dann die Landesvereine ihre Namen nach gleichem Muster ändern; der Blinden- und Sehbehindertenverein Bremen etwa in Blickpunkt Auge Bremen – Der BSVB. Der Plan ist, beim nächsten Verbandstag im Sommer 2018 darüber abzustimmen.
Über so einschneidende Veränderungen sollten nicht allein die Funktionsträger der Vereine sprechen. Deshalb laden wir Sie zu einer Diskussionsrunde ein.

Termin: Samstag, 24. Februar 2018, 10.00 bis 12.00 Uhr
Ort: Schwachhauser Heerstraße 266, 28359 Bremen
Seminarraum 1 in der 1. Etage

Beim Verbandstag 2010 hatte der DBSV seine Satzung geändert. Als Selbsthilfeorganisation vertritt er seitdem die Interessen von Menschen, die blind oder wesentlich sehbehindert sind oder als Patienten mit einer bedrohlichen Augenerkrankung der Beratung oder Unterstützung bedürfen. In dieser Zeit wurde auch eine neue Dachmarke entwickelt: „Blickpunkt Auge – Rat und Hilfe bei Sehverlust“ verbunden mit einem Logo, das ein Auge zeigt, das hinter einer Wolke zu verschwinden droht. Unter dieser neuen Dachmarke veröffentlichte Informationen sollten die neue Zielgruppe – die Patienten mit einer schwerwiegenden Augenerkrankung – erreichen; sozusagen als Puffer, um sie nicht mit den Worten „blind“ oder „sehbehindert zu verschrecken.

Inzwischen sind bundesweit flächendeckend Blickpunkt-Auge-Angebote geschaffen worden, auch bei uns in Bremen.
Wie kommt aber die Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe auf die Idee, mit einer über 100jährigen Tradition zugunsten von „Augen-Patienten“ zu brechen?

Als blinde Menschen unseren Bremer Verein 1908 gründeten, nannten sie ihn in Abgrenzung zum zwölf Jahre älteren Verein für Blinde „Verein der Blinden“. Mit dieser Namenswahl drückten sie den Willen aus, ihr Geschick in die eigenen Hände zu nehmen.

Nachdem er später in „Blindenverein im Staate Bremen“ umbenannt worden war, gaben die Mitglieder ihrem Verein 1996 schließlich den Namen „Blinden- und Sehbehindertenverein Bremen“, um der wachsenden Anzahl sehbehinderter Menschen und deren ganz eigenen Bedürfnissen gerecht zu werden. Sehbehinderung ist fest definiert. Sehbehindert ist, wer weniger als 30 Prozent sieht oder eine entsprechende Gesichtsfeldeinschränkung hat.

Der Selbsthilfegedanke ist in der Satzung verankert. Sehende Personen können unserem Verein zwar beitreten, um ihn zu fördern, sie sind aber nicht berechtigt ein Amt im Vorstand zu bekleiden. Welche Auswirkungen hätte es, wenn diese Grenze zwischen Behinderung und Krankheit nun verschwimmt, weil durch die Namensänderung des Vereins in „Blickpunkt Auge Bremen“ auch sehende, an den Augen erkrankte Menschen Anteil an der Selbstvertretung bekämen?

Ein geflügeltes Wort lautet: Der Name ist Programm. Welches Programm aber verbirgt sich hinter „Blickpunkt Auge Bremen“?

Noch ist die Namensänderung im Diskussionsstadium. Beim DBSV-Verwaltungsrat im Oktober war das Meinungsbild unter den Vertretern der Landesvereine im DBSV sehr bunt. Als sich die Bundesarbeitsgemeinschaft Hilfe für Behinderte 2005 in Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe behinderter Menschen umbenannte, votierten alle Untergliederungen einstimmig dafür. Es muss also noch viel darüber gesprochen werden, damit am Ende alle Beteiligten sich mit dem Ergebnis identifizieren können.

Was ist Ihre Meinung zur geplanten Namensänderung?

Schreiben Sie sie auf, oder kommen Sie zu unserer Diskussionsrunde. So können wir Ihre Gedanken in den Entscheidungsprozess einbringen.

Martina Reicksmann